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Ägyptologie NewsPaper

Redaktion, Texte und Abbildungen (sofern nicht anders erwähnt): Gitta Warnemünde

Mein Dank gilt den EEFNEWS und deren zahlreichen Informanten sowie dem Moderator des EEF.Ohne diese schier unerschöpfliche Quelle für hochklassige Artikel aus der Ägyptologie wäre so manche Nachricht an mir vorbeigegangen.


Sonntag, 14. April 2013
Requirierung von Raubgut / Raubgrabungen

In zwei Privathäusern in Beni Suef beschlagnahmten ägyptische Offizielle 5 antike Särge, 63 Statuen und etwa 2.000 Münzen. Zwei Hausbesitzer konnten festgenommen werden, ein Dritter befindet sich auf der Flucht.
Augenzeugen berichten wiederholt von großen Löchern, die laufend in der Nähe der Pyramiden von Giza gegraben werden. Dies wird als untrügliches Zeichen für die nach wie vor - und nicht nur in Giza - allgegenwärtigen Umtriebe von Raubgräbern gedeutet.
xinhuanet

Zum Thema Raub und Schmuggel und deren beängstigender Zunahme nach dem 25.01.2011 veröffentlicht auch die Daily News Egypt in ihrer Online-Ausgabe einen Artikel. Dort ist nachzulesen, dass in einem Bericht des Egyptian Council for Culture and Arts aus dem vergangenen Jahr darauf hingewiesen wird, dass rund 3.000 Artefakte illegal das Land verlassen haben. Sie dürften sich mittlerweile wohl in privaten Sammlungen in aller Welt befinden. Durch die schwierige Lage der ägyptischen Behörden hinsichtlich mangelnder Sicherheit, finanzieller Ausstattung und der allgemein schlechten wirtschaftlichen Situation des Landes ist es kaum noch möglich, gewieften Diebesbanden etwas entgegenzusetzen. Einige junge Ägypter haben deshalb eine Facebook-Seite angelegt und versuchen, Diebesgut durch die Veröffentlichung von Fotos der gestohlenen Objekte mehr Öffentlichkeit zu geben.
dailynewsegypt
Stop the Heritage Drain (Facebook)


Donnerstag, 11. April 2013
Hafen aus der Zeit des Cheops entdeckt

Seit einigen Jahren läuft die Erforschung von zwei antike ägyptischen Hafenanlagen am Roten Meer: Ain Suchna am Golf von Suez und weiter südlich Mersa Gawasis. Französische Archäologen stießen nun bei ihren Arbeiten etwa 180 km südlich der Stadt Suez auf einen weiteren sehr alten Hafen. Es könnte sich um einen der wichtigsten und ältesten Umschlagplätze für Güter handeln, die auf dem Sinai gewonnen wurden (z.B. Kupfer oder Türkise) und von dort aus weiter in die Reichhauptstadt Memphis gelangten. Es fanden sich dort außerdem Reste von Verwaltungsgebäuden und 30 Höhlen und Steinblöcke zum Verschluss derselben, die neben verschiedenen Namen der Mannschaftsmitglieder auch den mit roter Tinte geschriebenen Namen des Cheops (4. Dynastie) tragen. Auch auf Schiffstaue und Steinwerkzeuge zum Schneiden der Taue stießen die Archäologen, ebenso auf Holzfragmente (Zapfen, Teile von Rudern) und Steinanker. Untersuchungen der Keramikfunde zeigen, dass diese ebenfalls aus der ersten Hälfte der 4. Dynastie stammen. Von größter Bedeutung ist jedoch der Fund von 40 Papyri, die Details aus dem täglichen Leben enthalten. Aufgrund der Einträge sind sie wir die übrigen Funde auf die Zeit des Cheops zu datieren; sie beziehen sich auf das 27. Regierungssjahr (13. Horusgeleit) dieses Königs. Die Dokumente behandeln die Lieferungen von Getreide, Ausrüstung und Nahrungsmitteln für die auf dem Hafengelände tätigen Mannschaften. Einige Fragmente gehören zu einem Tagebuch eines Offiziellen aus Memphis mit dem Namen Mason, in das dieser seine täglichen Verrichtungen eingetragen hat. Damit handelt es sich um die ältesten beschrifteten Papyri, die ägyman kennt. Bisher galten die sogenannten Gebelein-Papyri vom Ende der 4. Dynastie als älteste Schriftzeugnisse dieser Art.
Wadi el-Jarf war bisher noch relativ unerforscht. Es existiert allerdings ein Reisebericht über diese Gegend von John Gardner Wilkinson aus dem Jahre 1832, in dem Galerien erwähnt sind, die er als Katakomben bezeichnet.

english.ahram
mondespharaonic.paris.sorbonne
(französisch)
dito (maschinelle deutsche Übersetzung)
Aufsatz von Pierre Tallet in BMSAES 18, 2012 (PDF, 15 MB) mit weiteren interessanten Einzelheiten und einer Reihe von aufschlussreichen Abbildungen.


Freitag, 05. April 2013
Neue Funde der Djehuty-Grabung

Das Djehuty Project unter der Leitung von José Manuel Galán hat während der jüngsten Kampagne in Dra Abu el-Naga bereits einige interessante Funde gemacht (siehe auch Beitrag vom 30.01.2013). Es wurden vier Gräber aus der Zeit der 17. Dynastie freigelegt, also aus einer Zeit, die bisher noch nicht ausreichend erforscht werden konnte. Als um so bedeutender erweisen sich die Ergebnisse der spanischen Grabung. Der Inhaber eines der Gräber war Intefmose. Man fand dort drei Inschriften, die ihn als Königssohn ausweisen. Galán vermutet, dass es sich um den Sohn von Sobekemsaf - einer der ersten Könige der 17. Dynastie, über den nur wenig bekannt ist - handeln könnte. Intefmoses Grab besteht aus einer kleinen, aus Lehmziegeln errichteten Kapelle, die vor einen sieben Meter tiefen Schachtt gesetzt wurde, der wiederum zur Grabkammer führte. Ein Loch in der Rückwand dieses Raumes führt zu einer weiteren Grabstätte. Inhaber war ein hoher Beamter namens Ahhotep, Sprecher von Nechen (Hierakonpolis). Man fand drei mit seinem Namen beschriftete Uschebtis.
phys.org


Montag, 25. März 2013
Site Management für Kom el-Hettan

Das luxortimesmagazin veröffentlicht die ersten Entwürfe des Site Managments für das Gelände des Millionenjahrhauses Amenophis' III. in Theben West - mit einer hypothetischen Rekonstruktion des Tempelkomplexes. Der Besucherpfad soll künftig, ausgehend von den Memnon-Kolossen (ehem. 1. Pylon), über das gesamte Tempelgelände führen. Über den Zeitpunkt der Umsetzung wird nichts gesagt.


Montag, 18. März 2013
Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim verliert ägyptische Objekte

2.700 Stücke werden an einen Hamburger Kaufmann zurückgegeben, der sie angeblich ursprünglich dem Museum überlassen wollte. Nun fordert die Tochter, Generalbevollmächtigte ihres Vaters, sie zurück und entfachte dadurch einen Streit, der in Kürze vor Gericht fortgesetzt wird.
focus


Samstag, 16. März 2013
Gebäude aus der Hyksoszeit in Tell Hebua freigelegt

Ein ägyptisches Archäologenteam unter der Leitung von Mohamed Abdel-Maqsud, das seit längerer Zeit in Tell Hebua / Qantara gräbt, ist auf die Reste von Verwaltungsgebäuden aus der Zeit der Hyksos gestoßen. Die ursprünglich zweistöckigen Gebäude umfassten Räumlichkeiten und Innenhöfe. Hier fand man Särge, Schädel und Skelette von Personen, die wahrscheinlich Opfer von Kämpfen geworden sind. Sie zeigen tiefe Wunden von Speeren und Pfeilen. Der ägyptische Antikenminister Mohamed Ibrahim bringt sie mit den Kämpfen zwischen den Hyksos und der Streitmacht des ägyptischen Königs Ahmose in Verbindung, der die asiatischen Besatzer bekanntlich in die Flucht schlug. Man fand auch Reste von niedergebrannten Gebäuden. Der Befund deckt sich mit antiken Aufzeichnungen (Papyrus Rhind, verso), nach denen Ahmose auf seinem Feldzug gegen die Hyksos zunächst in Heliopolis "eintrat", dann zur Festung Tjaru (Tell Hebua) vorrückte und diese schließlich einnahm. Durch die Einnahme wurde den im belagerten Auaris verbliebenen Hyksostruppen der Rückzugsraum verschlossen. Tjaru war die erste von mehreren Festungen am berühmten Horusweg, der Handels- und Militärroute von Ägypten nach Asien.

Bei den jüngsten Grabungen wurden außerdem Reste einer große Anzahl von Silos ausgegraben, die aus der Zeit Thutmosis' III. und Ramses' II. stammen. Es konnten dort 280 to Getreide für die Versorgung einer vielköpfigen Armee gelagert werden.
english.ahram
Zu den laufenden Grabungen siehe auch Beitrag vom 22.04.2009


Freitag, 15. März 2013
Ägyptische Schiffe in Thonis-Heracleion

Die Stadt Thonis-Heracleion diente vor der Gründung Alexandrias als Ägyptens Tor zur griechischen Welt. Sie war wahrscheinlich Umschlagplatz für Waren aus der Mittelmeerregion, die hier von seegängien Schiffen auf Nilschiffe umgeladen und stromaufwärts transportiert wurden. Die Stadt liegt heute versunken in der Abukir Bay, 6,5 km entfernt von der Küste Ägyptens. Taucher untersuchen derzeit 64 im Hafen der Stadt gefundene ägyptische Schiffe aus der Zeit zwischen dem 8. und 2. Jhdt.; einige scheinen dort schon in der Antike mutwillig versenkt worden zu sein.
University of Oxford
franckgoddio


Donnerstag, 14. März 2013
Eine der ältesten Sonnenuhren der Welt im Tal der Könige ausgegraben

Pressemitteilung (Quelle: IDW)
Eine der ältesten Sonnenuhren der Welt im Tal der Könige ausgegraben

lic. phil. Christoph Dieffenbacher
Kommunikation & Marketing Universität Basel
Bei Grabungen ist ein Forschungsteam der Universität Basel im Tal der Könige in Oberägypten auf eine der ältesten altägyptischen Sonnenuhren gestossen. Mitarbeitende des Ägyptologischen Seminars unter der Leitung von Prof. Susanne Bickel machten den bedeutenden Fund bei der Freilegung eines Grabeingangs.
Bei den diesjährigen Grabungsarbeiten fanden die Forschenden ein abgeflachtes Stück Kalkstein (sogenanntes Ostrakon), auf dem mit schwarzer Farbe ein Halbkreis mit zwölf Unterteilungen zu etwa 15 Grad aufgezeichnet wurde. Eine Vertiefung in der Mitte der rund 16 Zentimeter langen horizontalen Grundlinie diente der Befestigung eines Holz- oder Metallstifts, dessen Schatten die Stunden anzeigte. Kleine Punkte in der Mitte jedes Stundenwinkels dienten einer noch feineren Zeitmessung.


Bedeutender Fund: Jahrtausendealte Sonnenuhr wieder ans Tageslicht gebracht. Foto: Universität Basel.

Der Fundort der Sonnenuhr befand sich im Bereich einiger Steinhütten, die im 13. Jahrhundert v. Chr. als Aufenthaltsort der am Bau der Königsgräber beschäftigten Arbeiter genutzt wurden. Möglicherweise diente die Sonnenuhr zur Messung ihrer Arbeitszeiten. Die Unterteilung des Sonnenlaufes in Stunden war jedoch auch ein zentraler Aspekt in den auf den Wänden der Königsgräber aufgezeichneten Jenseitsführern. Diese Jenseitsführer oder Unterweltbücher sind illustrierte Texte, welche die nächtliche Fahrt des Sonnengottes durch die Unterwelt in ihrer zeitlichen Abfolge beschreiben. Die Sonnenuhr könnte somit die Beobachtung und Visualisierung dieser Fahrt unterstützt haben.
Mithilfe von Studierenden der Universität Basel konnten in der diesjährigen Grabungssaison zudem über 500 in den vergangenen Jahren geborgene, meist fragmentarische Objekte dokumentiert und zur wissenschaftlichen Aufarbeitung vorbereitet werden. Dazu gehört auch das gesamte Fundmaterial aus den unteren Schichten des 2012 entdeckten Grabs KV 64. In dem rund 3500 Jahre alten Grab entdeckten die Basler Forschenden damals einen Sarkophag, der die Mumie einer Frau namens Nehemes-Bastet enthält.

Weitere Auskünfte
Prof. Dr. Susanne Bickel, Departement Altertumswissenschaften der Universität Basel
Tel. +41 61 267 30 61 - E-Mail: s.bickel@unibas.ch
Weitere Informationen:
University of Basel Kings' Valley Project


Mittwoch, 13. März 2013
Schwerstarbeit und Not in Amarna

Anthropologische Untersuchungen durch Wissenschaftler des Amarna Project an mehr als 150 Skeletten auf dem Südfriedhof von Amarna, der Nekropole der Unterklasse, zeigen, dass die dort Bestatteten zu ihren Lebzeiten schwere Lasten zu tragen hatten und ähnlich wie die Personen aus QH 33 am Qubbet el-Hawa (siehe unten) an Unterernährung litten. Das Amarna Project beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit der Bearbeitung der Gräber von den Einwohnern von Echnatons Hauptstadt, die nicht der Elite angehörten und deren Lebensbedingungen dürftig waren. Kinder litten an Wachstumsstörungen - eine Folge von Mangelernährung - und bei zwei Dritteln der Erwachsenen zeigten sich degenarative Gelenkerkrankungen und mindestens ein Knochenbruch. Ursache dafür ist die große körperliche Belastung. Ganz besonders die sehr schnelle Errichtung der Stadt könnte mit ein Grund für die zu leistende Schwerstarbeit sein. Die für den Bau der Gebäude benötigen Blöcke hatten ein Gewicht von 70 kg. Die hohe Sterblichkeitsrate bereits in jungen Jahren zeichnete sich als Trend bereits anhand von Befunden aus einem frühen Stadium der anthropologischen Kampagne des Amarna Project ab, siehe Bericht und Diagramm von 2005/2006 auf der Projekt-Homepage. Allerdings gibt es derartige Befunde nicht nur aus Amarna oder Aswan. Auch in Piramesse (Tell el-Dab'a im östlichen Nildelta) hatten die Menschen ähnliche Probleme, wie das dort tätige Team von Manfred Bietak schon vor Jahren feststellen musste (siehe Gräberfund widerlegt "Pharaonen-Propaganda" vom 13.01.2006). All dies zeigt einmal mehr, dass man die schönen Bilder und Texte der alten Ägyptern permanent hinterfragen muss. Sie spiegeln kaum die raue Wirklichkeit wider.
nationalgeographic
livescience


Montag, 11. März 2013
Weitere Sachmet-Statuen im Millionenjahrhaus Amenophis' III.

Wie bereits in den Jahren zuvor, sind die Ausgräber von Kom el-Hettan (Tempelgelände Amenophis' III.) jüngst wieder auf Sachmet Statuen gestoßen; 14 dieser Objekte konnten ausgegraben werden. Mit den bereits früher freigelegten Statuen (siehe auch Beitrag vom 17.04.2008) steigt deren Gesamtzahl nunmehr auf knapp einhundert.
spiegel



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